Was ist Schamanismus oder Schamanentum?

Schamanismus ist wohl die älteste und ursprünglichste Lehre der Menschheit, um ganzheitlich, im Zusammenwirken mit dem Universum und seinen Kräften, Heilung und Unterweisung in allen nur denkbaren Lebensbereichen zu erhalten.

"Schamanismus ist keine einheitliche Religion, sondern eine kulturübergreifende Form religiöser Wahrnehmung und Praxis"
-Piers Vitebsky-

"Schamanismus = Technik der Ekstase (, bei der die) Seele den Körper (des Schamanen) zu Himmels- und Unterweltfahrten verlässt."
-Mircea Eliade-

Meiner Auffassung nach sind die folgenden Punkte für den Schamanen oder den schamanisch Praktizierenden kennzeichnend, unabhängig von Zeit oder regionalem Raum:

  • Die Einsicht in die "Beseeltheit" oder auch "Lebendigkeit" von allem, das existiert
  • Kenntnis, Praxis und Beherrschung von Ekstase- und Trancetechniken
  • Seelenflug – Schamanische Reisen in andere Welten
  • Kontakt zu und mit der Geisterwelt und daraus resultierende, geistige Verbündete (als eigenständige Entitäten)
  • Kraft aus der geistigen Welt in die materielle Welt zu "transportieren"
  • und mit dieser Kraft reale Veränderungen auslösen, d.h. diese Kraft auch tatsächlich materialisieren
  • Die Arbeit für andere – für Klienten, die einen aktiv und ausdrücklich um diese Art der Hilfe bitten

Der Begriff Schamane leitet sich vermutlich vom tungusischen "šaman" ab. Die weitere Etymologie ist allerdings umstritten. Der Begriff bedeutet wohl in etwa: "jemand, der erregt, bewegt, erhoben ist".
Eine weitere etymologische Herleitung gibt es von dem Pali-Wort "samana" was "Bettelmönch" oder "Asket" bedeutet.

Schamanismus bezieht sich heute nicht mehr auf eine bestimmte regional auftretende Kultur, sondern beschreibt ein bestimmtes Konzept, eine bestimmte Herangehensweise.
Es ist ein in der Religionswissenschaft/Religionsgeschichte geschaffener Oberbegriff. Im Allgemeinen wird der Schamanismus als die älteste, genauer nachweisliche Form religiösen Denkens beim Menschen bezeichnet (Eliade/Gorbatcheva), denn dieser ist seit der frankokantabrischen Höhlenkunst des Aurignacien im Jungpaläolithikum relativ sicher nachweisbar, also vor etwa 30.000 Jahren (Eliade: Geschichte der religiösen Ideen).
Die tungusischen, sibirischen Schamanen sind keinesfalls der Ursprung oder das Urbild des Schamanen oder des Schamanismus (der Schamanismus der Aborigines ist beispielsweise weit älter). Sie sind jedoch für die Schamanismus-Forschung von besonderer Bedeutung, da sich hier die grundlegenden Phänomene (Seelenflug, Trance, Heilungen, Jenseitsreise, Riten etc.) besonders einfach beobachten lassen.

Geister oder Spirits

Schamanische Arbeit bedeutet für mich immer die Zusammenarbeit mit Geistern oder Spirits, Verbündeten der Geister- oder Anderswelt. Damit sind natürlich nicht Gespenster oder Geisterscheinungen im herkömmlichen Sinne gemeint.

Wer oder was aber sind diese Geister?

Das ist von schamanisch Praktizierendem zu schamanisch Praktizierendem unterschiedlich. Jeder hat andere Spirits, andere Verbündete, die mit ihm zusammenarbeiten. Mancher arbeitet mit Krafttier und Lehrer, andere mit Ahnengeistern oder auch mit Naturgeistern. Mancher mit all diesen und noch mehr. Die meisten modernen Schamanen und schamanisch Praktizierenden arbeiten ausschließlich mit verlässlichen und mitfühlenden Geistern.

Warum helfen uns die Geister?

Vorweg schicken möchte ich, dass es mir hier um die oben genannten "mifühlenden und verlässlichen" Geister geht. Nicht unbedingt um Naturgeister oder andere Geister/Spirits, die eher in der mittleren Welt beheimatet sind.
Meiner Ansicht nach muss jeder hier seine eigene Antwort finden – aber ich persönlich glaube, dass es um Mitgefühl geht. Meiner Ansicht nach ist Mitgefühl die Kraft, die alles bewegt und auch die Kraft, die alle Regeln vorgibt.
Durch die schamanische Arbeit ist mir klar geworden, dass alles und jeder miteinander verbunden und verwoben ist, wir alle sind Teile des selben Netzes, das unser "Universum" bildet: das "All-Eine".
Wir alle sind gewissermaßen eins – und gleichzeitig sind wir einzeln. Es besteht eine Polarität und eine gewisse Spannung zwischen dem "Alles ist eins" und dem Gefühl der vollständigen Individualität, dem "Abgeschnittensein" von allem.
Persönlich glaube ich, dass die vielbeschworene "Erleuchtung" ein Zustand zwischen diesen beiden Extremen ist. Nicht aufgelöst im "All-Einen" aber auch nicht vollständig einsam und abgeschnitten im "inkarnierten Sein".
Der Geist muss "erwachen", um beides gleichzeitig empfinden und leben zu können. Die beiden Polaritäten sind jeweils schlafende Zustände.
Die mitfühlenden Geister sind meiner Ansicht nach "erwachte" Geister, die tiefes Mitgefühl mit unserer Einsamkeit haben. Sie sind getrieben von dem unbedingten Wunsch, uns dabei zu helfen, dass auch wir, wie sie, leuchtende, erwachte Geister werden. Letztlich sind auch wir "Spirits" – Teile des Universums – des "All-Einen", die durch ihre Körperlichkeit langsam erwachen. Wir gehen die ersten Schritte der Bewusstwerdung – des Erwachens... und Teil dieses Erwachens ist eben die Körperlichkeit. Nur durch das vermeintliche Gefühl der Trennung können wir uns wirklich entdecken - können wir "individuell" sein. Nur durch unsere Inkarnation erfahren wir Berührung, aber gleichzeitig auch die Schattenseite der Berührung – die Einsamkeit.
Und mit dieser Einsamkeit und all dem Schmerz, den wir erleben, erleiden und auch anderen zufügen, haben die Geister, die uns auf diesem Weg schon vorrausgegangen sind, Mitgefühl.
Manche dieser Geister sind uns vielleicht aus anderen Leben bekannt oder sogar aus Zeiten lange vor unserer "Inkarnation"; vielleicht sind sie so etwas wie ältere Geschwister, Eltern, Verwandte, Geliebte, die uns auf unserem Weg begleiten und unterstützen wollen.
Ihr Mitgefühl mit uns und unseren Leiden – dem Leiden, das die Inkarnation so mit sich bringt - ist, was sie antreibt uns zu helfen und beizustehen.

Moderner, europäischer Schamanismus

Obwohl wir in (Mittel-)Europa seit mehreren hundert Jahren keine ungestörte oder -gebrochene schamanische Tradition mehr haben, blicken wir doch auf einen reichen Schatz an schamanischen "Indizien" und Überresten zurück, auch in unserer Kultur und unserem regionalem Raum. Zehntausende von Jahren mit schamanischem Weltbild haben auch in Europa deutliche Spuren hinterlassen.
Sei es der Weltenbaum in der germanischen Mythologie, die Tier-Geister und Tier-Verbündeten der Hexen und Zauberer im Märchen, ein reicher Mythologie- und Sagenschatz über Orts-, Natur- und Schutzgeister, das Besprechen, Bebeten oder Besingen von Krankheiten, schamanische Reiseberichte wie im Märchen von Gold- und Pech-Marie, Trance- und Ekstase-Techniken, die sich sogar in Teilen der kirchlichen Liturgien und Bräuche erhalten haben, etc.
Dieser Schatz lässt sich heben und neu in unseren Alltag einfügen.
Wir können nicht die Bräuche und den ursprünglichen Schamanismus Europas zur Gänze und zweifelsfrei rekonstruieren und wiederbeleben - dafür reichen die Erkenntnisse aus Archäologie und Religionswissenschaft nicht aus. Auch ist es eine Frage, wie sinnvoll das überhaupt in der heutigen Zeit wäre. Unsere Leben, Werte, Sitten und auch unsere sozialen Netze unterscheiden sich doch sehr von denen unserer Vorfahren.
Aber, wie beinahe immer gilt: "Wir sind Zwerge auf den Schultern von Riesen" (frei nach Bernhard von Chartres) und können uns die Erkenntnisse der heutigen Zeit zu Nutze machen.
Mit Hilfe lokaler Überlieferungen, Märchen, Sagen und Legenden, schamanischer Praxis und Vision, wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Orientierung an den Bedürfnissen der neuen Zeit, lässt sich eine indigene, europäische und gleichsam moderne und zeitgemäße schamanische Spiritualität erarbeiten.
Schamanismus und schamanisches Weltbild sind etwas, das man erleben muss. Man kann natürlich viel darüber lesen und hören, aber die echte Erkenntnis, wie real und nutzbringend auch für uns heute noch die "Beseeltheit der Welt" und die Kraft der Anderswelt sind, kommt nur mit der schamanischen Praxis.

Die schamanische Praxis wiederum sollte auch ganz praktisch nutzbringend sein, für den schamanischen Praktiker und auch für seinen "Stamm". Daher bedarf es dringend eines Schamanismus oder sogar Schamanismen, der oder die sowohl an die moderne Zeit, ihre Regeln und Bedürfnisse als auch an die Menschen und Geister der Region, in der diese Menschen leben, angepasst sind.

Mein Großvater lernte zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch Heilgesänge, Sprüche und Gebete zur Bekämpfung bestimmter Krankheiten. Ich habe diese gelehrt bekommen, aber ihre wahre und vollständige Kraft und Bedeutung hat sich mir erst durch die schamanische Praxis eröffnet.
Durch Erforschung und Studium verschiedener indigener, schamanischer Bräuche dieser Welt lernte ich mit der Zeit, dass die Technik, Krankheiten "fortzusprechen", "fortzublasen" oder "fortzusingen", wie es mein Großvater lehrte, an vielen Orten dieser Welt und in vielen schamanischen Kulturen bestens bekannt ist.

Das Märchen von Frau Holle wurde mir in meiner Kindheit häufig erzählt.
Aber erst durch die schamanische Praxis und das Erleben einer Reise in die untere Welt wurde mir klar, welch "expliziter" Bericht einer schamanischen Reise uns mit diesem Märchen überliefert wurde. Ein echter schamanischer Reisebericht aus den Tiefen unserer Vergangenheit ist uns hier in Gestalt eines Märchens überliefert worden, womöglich über Jahrtausende hinweg.

(Mehr zum Alter von Märchen hier:
www.welt.de/kultur/article151369664/Warum-die-Brueder-Grimm-doch-recht-hatten.html )

In den letzten Jahrzehnten haben unzählige spirituelle Meister von allen Enden der Welt viel Mühe und Aufwand darauf verwandt, eine erlebbare und ursprünglichere Spiritualität zurück nach Europa und in die sog. "westlichen Industrienationen" zu bringen. Auf Dauer wird es uns jedoch nur bedingt helfen, diese Spiritualität vom anderen Ende der Welt einfach zu kopieren.
Unsere Aufgabe heute ist es meiner Ansicht nach, den Anstoß, den wir aus allen Himmelsrichtungen von den großen Schamanen unserer Zeit bekamen, nun zu transformieren und einen indigenen, europäischen und zeitgemäßen Schamanismus zu entwickeln und vor allem auch zu leben, der uns dabei hilft, die Welt aufs neue und zum Nutzen all ihrer Bewohner zu verzaubern.
"Drei Beweise der Weisheit: Festhalten an der Vernunft, Festhalten an der Phantasie und Festhalten an Verbesserungen."
- OBOD-

Die Inhalte eines modernen, europäischen Schamanentums

Was sollte ein zeitgemäßer oder moderner Schamane/schamanisch Praktizierender können bzw. lernen und sich erarbeiten?

An erster Stelle steht natürlich die Kenntnis über Bewusstsein, Trance, Ekstase und die willentliche Veränderung des Bewusstseinszustandes sowie grundsätzliche Kenntnis und Fähigkeit zur schamanischen Reise bzw. Seelenflug und Geisterkontakt, Verbündete wie Lehrer, Spirit-Guide oder Krafttier zu gewinnen, dies bringt dann auch ein "Erkennen" der Beseeltheit der Welt, des Universums mit sich.

Diese "schamanischen Basics" sind eigentlich allen schamanischen Wegen und Kulturen gemein. Die Wege dahin mögen unterschiedlich sein, doch grundsätzlich sind dies die Voraussetzungen, um überhaupt von "Schamanismus" und "schamanisch" sprechen zu können.
Zum Erlernen dieser Basics hat sich für viele schamanisch Praktizierende ein sogenanntes schamanisches Basis-Seminar bewährt.
Natürlich geht es auch anders… über die verschiedenen Möglichkeiten zum Einstieg in den Schamanismus habe ich hier klick mich geschrieben.
Die reine Kenntnis des Kerns oder "Core" des Schamanismus macht aber noch nicht den europäischen Schamanismus aus. Um tatsächlich von "europäisch" sprechen zu können, bedarf es schon noch etwas mehr.
Wenn wir zu den noch existierenden schamanischen Kulturen "schielen", sehen wir, dass die dortigen Schamanen eng mit Land und Leuten verbunden sind und profunde Kenntnisse in vielen verschiedenen Bereichen haben, wobei nicht jeder Schamane auf jedem einzelnen Gebiet ein Experte sein muss. Doch meist besitzen sie bereits einen groben Überblick.
Die noch vorhandenen traditionellen Schamanen haben beispielsweise Kenntnisse über die Geschichte ihrer Völker, von ihren Mythen, Liedern und Sagen. Sie kennen geheime und magische Zeichen, mit denen sich bestimmte Kräfte wecken oder lenken lassen. Sie kennen Orte der Kraft und die Wächter dieser Orte. Sie haben Kontakt mit den Geistern des Landes, der Natur und den Ahnen. Sie kennen die heimische Tier- und Pflanzenwelt, ihre Besonderheiten, Gefahren und Heilkräfte. Sie beherrschen Techniken der Divination und sind zumindest rudimentäre Psychologen und Heilkundige.
In erster Linie sind sie natürlich "Geisterexperten", aber häufig sind sie auch die Hüter des "Traditionelle Wissens" ihres Landes und ihrer Völker.
&xnbsp; Auch in vielen Sagen und Mythen Europas, etwa in der germanischen Edda oder auch in der Geschichte um Talliesin aus dem Insel-Keltischen, wird deutlich, welch große Rolle die Suche nach Wissen, Weisheit und Erleuchtung auch für unsere europäischen Vorfahren gespielt hat.
Übertragen auf uns heutige, westliche/europäische Schamanen und schamanisch Praktizierende bedeutet das vor allem jede Menge Arbeit ;-).
Auch ein europäischer Schamane/schamanisch Praktizierender ist vor allem "Geister- und Anderswelt-Experte" und steht mit seinen Geistern und denen seines Landes in Kontakt, mit seiner Umgebung, der Natur und der Welt an sich, genau wie mit Göttern, Ahnen, Krafttieren oder Schutzgeistern.
Heute wie vor 10.000 Jahren ist der schamanisch Praktizierende ein "Zaunreiter" zwischen den Welten, der bei allem, was er tut, immer auch die Anderswelt und die Geister im Blick hat. Wenn ich also von "Pflanzenkunde" oder von "Heiligen Orten" spreche, dann meine ich immer auch deren andersweltlichen Aspekte. Als schamanisch Praktizierender lese ich nicht nur etwas über eine Pflanze, einen Ort oder einen Mythos… Ich erlebe Pflanze, Ort und Mythos auch immer, mit allen Sinnen und werde Teil von ihnen. Ich werde zum Mythos selbst, erfahre ihn am eigenen Leib, am eigenen Geist. Ich lerne nicht nur etwas ÜBER Bäume, sondern werde selbst ein Baum, ein Teil des Waldes..

Auf folgenden Gebieten sollte ein europäischer Schamane Kenntnisse auf allen Ebenen erwerben:

  • Mythen, Sagen, Legenden, Lieder (z.B. klassische Volksmärchen, Gedichte, (Volks-)Lieder, die Edda, die vier Zweige des Mabinogi, lokale Feen-, Elfen- und Geistergeschichten etc.)
  • Philosophie
  • Der Geschichte Europas und auch der Geschichte der Gegend, in der wir leben und arbeiten.
  • Traditionelle Schriftzeichen in Europa (z.B. Runen oder auch die sog. Vinca-Zeichen)
  • Magische Zeichen wie Pentagramme, alchimistische Zeichen, astrologische Zeichen, Runen etc.
  • Magische Systeme, Weltbilder und Volksmagie
  • Heilige Orte und Kraftorte: Wo liegen sie? Was macht sie aus? Welche Kräfte wirken dort und wer hütet diese Orte?
  • Kenntnisse der heimischen Traditionen (Jahreskreise, Sitten, Gebräuche)
  • Kenntnisse der verschiedensten europäischen Mysterien und Traditionen, eventuell auch Spezialisierungen auf bestimmte Mythenkreise, Traditionen, Pantheone o.ä.
  • Kenntnis der Geister des Ortes, an dem wir leben.
  • Der Geister des Landes – der Flüsse und Bäche, der Berge und Hügel etc. Aber auch der Geister meiner Straße, in meinem Haus usw.
  • Ahnenarbeit und Kenntnis zu über die Ahnen… Ihre Geschichte, wie haben sie gelebt? Woran haben sie geglaubt etc.
  • Der heimischen Tier- und Pflanzenwelt aber auch gute Kenntnis der direkten, möglicherweise auch städtischen Umgebung. Was passiert wann? Wo geht die Sonne auf? Welche Sterne stehen am Himmel? Wetter- und Bauernregeln. Aber auch: Welche Tiere leben in dem Baum vor meinem Fenster? Wann kommt die Müllabfuhr und wann ist der Verkehr besonders heftig etc.
  • Orakelmethoden wie Tarot, Runen, Astrologie etc.
  • Kräuterkunde
  • Baumkunde
  • Erste Hilfe Kurs
  • Grundsätzliche Kenntnisse zu Körper und Gesundheit
  • Evt. einige psychologische Grundkenntnisse
  • Selbsterkenntnis und sogenannte Schattenarbeit

- Bereits über dem Eingang zum berühmten Tempel von Delphi soll gestanden haben: "Erkenne dich selbst".
Grundsätzlich nutzt eine gute, solide Allgemeinbildung auch modernen Schamanen – wenn sie nicht gar eine Voraussetzung ist!
Wie tiefgreifend wir die einzelnen Themen und Wissensgebiete bearbeiten - oder auch, ob und wie sehr wir uns regional oder kulturell spezialisieren - ist natürlich jedem selbst überlassen und stark abhängig von persönlichen Vorlieben, Interessensgebieten, Fähigkeiten und den eigenen Geisterkontakten. Auch ist diese Aufzählung sicherlich nicht vollständig, sondern stellt vor allem eine Anregung dar. Allein an dieser Auflistung kann man schon klar erkennen: dies ist keine Ausbildung, die wir innerhalb einiger weniger Wochen, Monate oder gar Jahren absolvieren, sondern ein ganzer (umfassender?) Lebensweg des Lernens und der Hingabe.
Natürlich können wir nicht auf jedem einzelnen Gebiet Experten werden, aber wir sollten uns bemühen, uns wenigstens Grundkenntnisse anzueignen und immer weiter zu lernen. Jeder Schamane oder schamanisch Praktizierende wird mit der Zeit seine eigene, spezielle Kraft entdecken und auf einigen Gebieten besser oder kraftvoller sein als auf anderen. Auch die Geister, die Spirits des schamanisch Praktizierenden, leiten uns dabei.
Manche Kenntnis bringen wir auch bereits aus vorangegangenen Ausbildungen und von unserem bisherigen Lebensweg mit, manches müssen wir uns neu erarbeiten. Welche Lücken wir möglicherweise haben oder wo unser Wissen schon sehr ausgeprägt ist, ist heute sehr individuell. Daher kann eine "Ausbildung in europäischem Schamanismus" immer nur sehr individuell sein.
Eine schamanische Ausbildung oder ein schamanischer Weg erfordern aber selbstverständlich nicht nur die bloße Kenntnis beispielsweise einer Pflanze, ihres Vorkommens und ihrer Wirkweise, sondern auch die schamanische Auseinandersetzung mit ihr. Wir bereisen diese Pflanze, begegnen ihrem "andersweltlichen" Aspekt, dem Pflanzengeist, und lernen sie so auf ganz neue und besondere Art kennen. Wir lassen uns direkt vom Pflanzengeist unterweisen und gewinnen auf diese Weise möglicherweise auch einen neuen Verbündeten und neues Wissen.
Dies gilt nicht nur für die Kräuter- und Pflanzenkunde, sondern für jeden der oben angeführten Teilbereiche. Auch die Schriftzeichen oder die Götter vergangener Zeiten und Kulturen können wir in der Anderswelt besuchen und direkt von ihnen lernen. Als schamanisch Praktizierende sind wir nicht alleine auf die historischen und archäologischen Quellen angewiesen, auch wenn wir sie trotzdem zumindest teilweise kennen sollten. Je nach persönlichen Vorlieben und Fähigkeiten können die einzelnen Teilbereiche entweder in kompakten Seminaren, Kursen oder Ausbildungen oder in Eigenregie autodidaktisch erlernt und/oder vertieft werden. Dabei kann es stark variieren, welchen Bereichen wir mehr oder und welchen weniger Aufmerksamkeit schenken. Welche Mythen sprechen zu mir? Welche Götter, welche Geister, welche Ahnen?

Ein Teil der Herausforderung ist es, die eigene, spirituelle Familie und die individuelle Kraft und Aufgabe zu finden.
Nicht umsonst dauert die Ausbildung traditioneller Schamanen in den noch vorhandenen schamanischen Kulturen häufig Jahrzehnte. Auch von den europäischen Druiden wissen wir, dass ihre Ausbildung 20-30 Jahre gedauert haben soll.
Doch keine Sorge - vieles, das nötig ist, bringen wir ja bereits mit, von dem Weg der schon hinter uns liegt.
Und so schließe ich mit den ermunternden Worten von Balzac:
„Großes Talent existiert nicht, wo großer Wille fehlt.“

Einige der oben angeführten Themen und Bereiche biete ich in Seminaren und Kursen an; vieles allerdings muss jeder für sich selbst erlernen und studieren.

- Windverhangen, Wolkenklar - Und doch aus weißer Nebelwand - Umweht, umtanzt, verzaubert gar - Unbeschwert an der Welten Rand -